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„Thüringer Bildungspakt Handwerk“ wird unterzeichnet

16. Parlamentarischer Abend des Thüringer Handwerks am 4. Juni 2008

In Thüringen wird heute Abend der erste Bildungspakt zwischen der Wirtschaft und einer Landesregierung unterzeichnet. Der Thüringer Handwerkstag e. V. und die Thüringer Landesregierung vereinbaren in dem „Thüringer Bildungspakt Handwerk“ gemeinsame Ziele wie die Steigerung der Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger sowie die Förderung der Dualen Berufsausbildung und der „Karriere mit Lehre“. Damit ist ein Rahmen gezeichnet, der von Handwerk und Landesregierung nunmehr mit konkreten Maßnahmen ausgefüllt werden soll.

THT-Präsident Rolf Ostermann und Thüringens Kultusminister Bernward Müller unterzeichnen heute den Pakt im Rahmen des 16. Parlamentarischen Abends des Thüringer Handwerks. Damit wird eine wesentliche Forderung des Handwerks, im letzten Jahr während des 15. Parlamentarischen Abends geäußert, nunmehr umgesetzt. Das Handwerk als ein wesentlicher Träger der dualen beruflichen Ausbildung ist auf qualifizierte Fach- und Führungskräfte angewiesen, um dauerhaft den Marktanforderungen gerecht zu werden und auf dem aktuellen Stand der technologischen Entwicklung zu bleiben. Daher stehen Nachwuchssicherung, Karrierechancen und Innovationsfähigkeit im Mittelpunkt des Bildungspaktes. Die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger soll gesteigert und die Attraktivität handwerklicher Berufe erhöht werden. Die Sicherstellung der hohen Qualität der Dualen Ausbildung, eine stärkere Durchlässigkeit der unterschiedlichen Bildungswege und eine bessere gegenseitige Anerkennung beruflicher Abschlüsse sind weitere wesentliche Zielstellungen des Paktes.

„Dieser Pakt ist ein wesentlicher Meilenstein für das Handwerk, dessen Fach- und Führungskräfte wesentlich zur zuverlässigen Sicherung der Grundstrukturen unseres Landes beitragen, das überproportional ausbildet und ein zuverlässiger Arbeitgeber in den Regionen ist,“ unterstreicht Rolf Ostermann die Bedeutung des Bildungspaktes. Dass dieser Pakt von der Landesregierung mit dem Handwerk abgeschlossen werde, begründe sich mit dem spezifischen Profil dieses klein- und mittelständisch geprägten Wirtschaftsbereiches, den hohen Anforderungen an die Auszubildenden und Fachkräfte. Außerdem befinde sich das Handwerk am Beginn eines großen Generationswechsels. Rund 7.000 der 31.000 Thüringer Handwerksbetriebe werde in den nächsten zehn Jahren übergeben. Um diesen Umbruch erfolgreich zu gestalten, brauche man engagierte gut qualifizierte Führungskräfte als Betriebsnachfolger oder Existenzgründer.

Handwerk braucht den Binnenmarkt: Ostermann fordert geringere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge
Die Forderung nach „mehr Netto vom Brutto“ ist eine Forderung des Handwerks, vor einigen Monaten bereits vom Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Otto Kenzler, geäußert. Während des Parlamentarischen Abends steht diese Forderung ebenfalls im Mittelpunkt. Denn über 80 Prozent der Handwerksbetriebe Thüringens sind auf die Binnennachfrage angewiesen, sind als Dienstleister tätig, arbeiten im Bau- und Ausbaugewerbe, im Kfz-Handwerk oder den Gesundheitshandwerken. Zulieferbetriebe aus dem Handwerk profitieren laut Konjunkturumfragen der Handwerkskammern derzeit von der guten Auftragslage der Industrie. Diese machen jedoch nur einen kleinen Anteil am Gesamthandwerk aus.

Zentrale Forderung der Handwerksorganisation bleibt somit die Stärkung des Binnenmarktes und damit der privaten Investitionen und des Konsums. Aus diesem Grund sind nach Überzeugung des Thüringer Handwerkstages eine Reduzierung der Sozialversicherungsabgaben und der Steuerbelastung dringend erforderlich. Ostermann: „Bei einer Schafschur und bei den Steuern sollte man aufhören, sobald die Haut erreicht ist. Die Haut ist erreicht, wenn ein Arbeitnehmer, verheiratet und drei Kinder, mit einem Bruttoverdienst von 1.621 Euro im Monat weniger Netto bleibt als wenn er Transferleistungen beziehen würde.“ Das Steuersystem bestrafe Leistung. Durch die kalte Progression profitiere vor allem der Staat von Lohnsteigerungen. Eine Reform der Einkommenssteuer sei kein Wahlgeschenk, so Ostermann, sondern eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit. „Es ist das Geld der Bürger und nicht das des Staates.“ Ein klares „Nein“ vom Handwerk erhalten sowohl der Gesundheitsfonds, der ab 1. Januar 2009 die Krankenversicherungsbeiträge in Thüringen um 2,5 Prozent anwachsen lässt, als auch die Beitragsanhebung in der Pflegeversicherung und die außerplanmäßige Rentenanhebung. Finanziert wird alles von den Arbeitnehmern und den Betrieben.

Zwei weitere Forderungen richtet der Thüringer Handwerkstag an die Bundesregierung: eine Neujustierung des Steuerbonus für Handwerkerleistungen hin zu einem Bonus für haushaltsnahe Dienstleistungen, um die Schwarzarbeit einzudämmen und mehr Aufträge für Handwerk und Dienstleister zu generieren. Die steuerliche Absetzbarkeit sollte 25 Prozent bezogen auf 12.000 Euro betragen und wäre nach Berechnungen des Handwerks aufgrund zu erwartender höherer Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge weitestgehend selbstfinanziert. Im Hinblick auf den anstehenden Generationswechsel im Handwerk fordert der THT die Bundesregierung auf, die Erbschaftssteuerreform mittelstandsfreundlich auszugestalten. Abgelehnt wird die Überlegung, bei Übergaben eine 10 bis 15-jährige Erhaltenspflicht der Betriebe  einzuführen. Damit würde die Erbschaftssteuer ein Totengräber vieler Betriebe werden. Der THT schlägt vielmehr vor, die Erbschaftssteuer ganz abzuschaffen. Dies wäre ein klares Signal an die Betriebe und würde die Landeshaushalte kaum belasten, da diese Steuer beispielsweise in Thüringen fast keine Einnahmen für das Land bringt.

Aktuelle Zahlen aus dem Thüringer Handwerk
Das Thüringer Handwerk zählt 31.390 eingetragene Betriebe; 245 mehr als vor einem Jahr. 20.637 davon sind in der Anlage A eingetragen, 4.693 in der Anlage B1 und 6.060 in der Anlage B2. Die Zahl der Beschäftigten stieg im letzten Jahr auf rund 139.300 Mitarbeiter. 13 562 Lehrlinge werden derzeit im Thüringer Handwerk ausgebildet.

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