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Fachkräfteengpass spitzt sich zu

Bis 2030 braucht Thüringen 345.000 neue Arbeitskräfte

Die Thüringer Wirtschaft brummt. Was auf den ersten Blick erfreut, offenbart zugleich die zunehmenden strukturellen Probleme. Eine Anfang März im Arbeitsministerium vorgestellte Studie der Universität Halle rechnet vor, dass Thüringen bis 2030 345.000 neue Arbeitskräfte benötigt. 90 Prozent dieses Bedarfs liegen laut Studie auf Facharbeiterniveau.

Die prognostizierten Zahlen ergeben sich aus Daten der Bundesagentur für Arbeit sowie einer repräsentativen Befragung in mehr als 1.000 Thüringer Betrieben. Ursächlich ist vor allem die demografische Entwicklung. Der Berufseintritt der geburtenschwachen Jahrgänge kompensiert nicht annähernd das altersbedingte Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge. Laut Studie kommen zwischen 2025 und 2030 auf einen Berufseinsteiger im Schnitt 1,5 Ruheständler. Hinzu kommt ein Mehrbedarf aufgrund der anhaltend guten wirtschaftlichen Lage im Freistaat.

Entwicklungen auch im Handwerk spürbar

Die Entwicklungen sind auch im Handwerk spürbar. „Fähiges Personal ist am Arbeitsmarkt Mangelware. Bei der guten Auftragslage wird das für viele Hand-werksbetriebe zum Engpassfaktor und hemmt die vorhandenen Wachstumspotenziale“, warnt Stefan Lobenstein, Präsident des Thüringer Handwerkstag e.V. (THT). Überproportional betroffen sind aktuell die Bau- und Ausbaugewerke, die aufgrund anhaltender Niedrigzinsen und einer hohen privaten und staatlichen Baunachfrage volle Auftragsbücher vorweisen. „Kunden müssen vermehrt mit langen Wartezeiten rechnen. Der Auftragsvorlauf liegt aktuell bei zwölf Wochen und mehr. Viele Betriebe sind vollkommen ausgelastet und finden kein Personal, um ihre Kapazitäten auszuweiten“, konstatiert Lobenstein.

So blieben im vergangenen Jahr 22.000 Stellen unbesetzt. „Im SHK-Bereich und anderen Ausbaugewerken suchen Betriebe fast ein dreiviertel Jahr, um eine offene Stelle besetzen zu können. In ländlichen Regionen findet sich oftmals gar kein geeigneter Bewerber mehr“, so Lobenstein.

Handwerk blickt in schwierige Zukunft

Die Studie der Universität Halle empfiehlt höhere Löhne, die längere Beschäftigung von Älteren sowie mehr Digitalisierung, um dem Fachkräfteengpass zu begegnen. „Leider steht zu befürchten, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um die Entwicklungen im Handwerk aufzuhalten. Die Zahl der Lehrlinge hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert. Die Politik hat die Akademisierung der Gesellschaft lange befördert, bislang ist kein ernsthaftes Umdenken festzustellen. Hinzu kommt, dass insbesondere in den körperlich intensiven Gewerken irgendwann die Luft raus ist. Mit 65 Jahren Gerüstteile schleppen oder Dächer eindecken – das kann im Ausnahmefall gelingen, ist aber nicht die Regel.“ Auch bei der Digitalisierung sieht Lobenstein natürliche Grenzen im Handwerk: „Die Betriebe wissen um die Chancen der Digitalisierung, ob bei der Kundenakquise, in der Produktion und Dienstleistungserbringung oder im Büro. Einige Betriebe sind hier bestens für die Zukunft gewappnet, etwa in den Gesundheitsgewerken oder im Kfz-Bereich. Aber Handwerk – das ist und bleibt eine individuelle Leistungserbringung, die auch in Zukunft von Handarbeit geprägt sein wird“.

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, werden sich die Thüringer Handwerksorganisationen weiterhin politisch engagieren. „Das Themenspektrum der Gespräche reicht von einer deutlich verbesserten Berufsorientierung an den Thüringer Schulen bis hin zu den Chancen von Arbeit 4.0 für ältere Arbeitnehmer. Hier werden wir weiter hart arbeiten, damit das Handwerk auch in Zukunft ein wichtiger Eckpfeiler der Thüringer Wirtschaft ist.“
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